Jordheim
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Historische Darstellung / Living History
Lebendige Geschichte/Geschichte erleben ist das Nachempfinden einer Epoche der Geschichte, des Alltagslebens und der Berufe der Menschen, die zu jener Zeit gelebt haben. Living History ist ein Begriff, der seit dem Aufkommen des Mittelalterbooms Ende der 90er Jahre oft und gerne gebraucht und noch viel öfter misbraucht wird. Gerne wird er auch mit Reenactment gleichgesetzt. Zur Living History gehört die Verwendung orginalgetreuer, belegter Ausrüstung, die Kompromisse weitgehendst vermeidet und sich ausschliesslich an Funden der dargestellten Zeit orientiert Vorausetzung für eine möglichst korrekte Darstellung ist die Sichtung von Fundberichten, Ausgrabungskatalogen und die Recherche in Museen und in der Fachliteratur. 

Reenactment
ist, per Definition, die bestmögliche, detailgetreue Wiedergabe einer Begebenheit in ihren Abläufen, historisch, oder modern, möglichst am Orginalschauplatz und zu den selben Bedingungen die bei dem Orginalereignis herschten. (z.b. Hastings, Gettysburg, etc...) In den 40ern hat die US Army im Zuge einer Studie der West Point Academy die Schlacht von Gettysburg nachgestellt. Dafür haben sie gewartet bis sogar die Wetterbedingungen gleich waren, aber die Ausrüstung der Soldaten entsprach der US Infanterie von 1943, trotzdem kann man das als das erste "Large-Scale" Reenactment ansehen. Eine Veranstaltung ohne tatsächlich geschehenes Ereignis ist, ungeachtet der Qualität der Austattung/Gewandung KEIN Reenactment, sondern Living History. 

Experimentelle Archäologie
ist der Bereich, der dem Testen von Erkenntnissen dient und (meiner Meinung nach) am wenigsten mit dem, was man unter Living History versteht, zu tun hat. Experimentelle Archäologie kommt in 2 Fällen zum Einsatz:
  1.  Das Testen von Fundrekonstruktionen: Hier werden Theorien über den Verwendungszweck eines Fundes durch Versuche getestet. Zum Beispiel ob eine Rekonstruktion eines Schuhfundes Sinn macht, oder ob sich im Gebrauch zeigt, dass der Schuh unmöglich so konstruiert gewesen sein kann, da man sich damit nur Blasen läuft. Ein bekannter Versuch war die Alpenüberquerung in röm. Ausrüstung von Dr. M. Junkelmann.
  2. Die Überbrückung fehlender Kenntnisse: Hier fehlt meist ein Bindeglied zwischen 2 Funden. Man ist sich zwar sicher, dass die Funktion / der Gegenstand existiert haben muss, hat aber keinerlei Anhaltspunkte wie er aussah oder wie er benutzt wurde. Hier versucht man dann, anhand von Querverweisen und dem Heranziehen ähnlicher Funde aus anderen Regionen / Zeiten zu rekonstruieren, wie dieses fehlende Bindeglied denn hätte aussehen können. Wichtig ist bei beiden Vorgehensweisen die Dokumentation!
Keine der beiden Arbeitsweisen ist geeignet eigene Kreativlösungen, sei es aus Bequemlichkeit oder dem Wunsch der freien Entfaltung entstanden, zu rechtfertigen. Beispiele für exp. Archäologie wären die Versuchsreihen zur "Ötzi" Ausrüstung, etc...

Battle Display
ist eine Sub-Kategorie von Living History und Reenactment. Battle Display umfasst die Darstellung von Schlachtsituationen und Teilnehmern vor akribisch recherchierten Hintergrund aber ohne greifbares, klar definiertes Hintergrundereignis. Beispiele für Battle Display wären: Kirby Hall, The War & Peace Show, etc...

© 2008 Walter Ruf / www.jordheim.info