Montag, Juni 5, 2017

Langsax - Waffe, Werkzeug oder mehr?

sax.jpg

Hallo zusammen, ich würde heute gerne mal auf eine öfter aufkommende Frage zur Verwendung des Langsaxes eingehen, wo als oft genommener Vergleich die klassische Machete herhalten muss, die ja weltweit Anwendung findet. Aber hier ist die Anwendung eine etwas andere. Dazu später mehr, erstmal zur Frage: War der Langsax Werkzeug oder Waffe? Keines von beidem, sage ich!

Was macht den Unterschied Waffe zu Werkzeug aus? Generell kann man sagen, dass jedes Werkzeug eine Waffe sein kann, so sie, vereinfacht gesagt, mehr ballistische Masse als Luftwiderstand mitbringt und somit Wuchtverstärkung mitbringt.

Der Langsax oder auch das lange “Birkamesser” bringen ausreichend “OOOMPH” mit, um beim Gegenüber schwere Wunden zu schlagen. Auch ist für den Scramasax ja die Übersetzung im Sinne eines Kennings als “Wunden-Messer” bekannt, was schon deutlich für die Waffe spricht.

Für die Verwendung als Werkzeug ergeben sich einige Probleme. Durch die, in Skandinavien, recht schmalen, relativ dicken Klingen, ergibt sich hier eine Klingengeometrie, die eher zum spalten als schneiden ausgelegt ist. Das wiederum wird durch die Bauform als Steckangel erschwert, da diese bei entsprechender Querbelastung zu Ausbrüchen des Griffmaterials führen würde. In Scandinavien sind Haumesser, vor allem bei den Samen seit langem im Gebrauch, hier muss man jedoch die Klimazone beachten: Im Gebiet, das die Samen durchstreifen, herrscht eher Tundra und Buschwerk vor, die Samenklingen, die sogenannten Leukus sind aber eher dünne, breite Klingen. Ideals zum ausdünnen und entasten, aber nicht zum spalten.

Die Grabfunde weisen eine recht hohe Qualität auf, was nicht per se gegen Werkzeug spricht, wobei es unüblich erscheint, Werkzeug mit ins Grab zu legen bzw täglich mit sich herum zu tragen.

Während Länge und Qualität durchaus geneigt sind, einem Gegenüber schwere Wunden zu schlagen, sind die fehlenden Parierelemente eher ungut für längere Scharmützel. Eine Primärwaffe ist daher auch eher unwahrscheinlich.

Die Langsaxe finden sich, im Fundzusammenhang, mit eher urbaner Ausstattung, daher ist eher nicht von einem “Viking Survival Knife” auszugehen. Für eine Primärwaffe sind die Defizite zu zahlreich.

Meine persönliche Einschätzung ist daher, dass der Langsax, bzw das lange Birkamesser, als “Ordonanzwaffe” / Seitenwaffe, im Stile späterer Säbel, Dolche und Bajonette einzuordnen ist, ein Statussymbol und Backup Waffe, die im Kriegsfall die “Langwaffe” ergänzt und im Alltag einen gewissen Vorteil im Handgemenge schafft - und ansonsten zeigt, wer man ist.

Willkommen

ava_b.jpg

Das Leben der Wikinger, aufgerollt aus der Sicht eines nörgelnden Waldläufers und Pragmatikers!

Wenn ihr mehr über den Autor wissen möchtet, klickt einfach hier für weitere Infos!

Ansonsten wünsche ich viel Spaß auf der Seite!

Wer möchte, kann dem Blog auch auf Facebook folgen
facebook.gif
facebook.com/jordheimviking/