Sonntag, September 25, 2016

Der Spiegel hat gesagt…

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“Mittelalter ist Spaß und ein weltweit seit Jahrzehnten anhaltend populärer Trend. Ritter, Narr und Burgfräulein, Hunne, Wikinger oder Schamane gehören zu den populärsten Rollen, die man öffentlich und rund ums Jahr “personifizieren” kann: Kämpfen und Reiten, Zelten und mit den Fingern essen, krumme Weisen gröhlen und geschwollen-gestelzt parlieren, das sind wohlfeile Gelegenheiten, aus der gesellschaftlichen Rolle zu fallen. “Reenacting” nennt man das oft, und die Grenzen zu Karneval, Cosplay und Fantasy-Rollenspielen sind fließend.” Oh-Mein-Gott! (Update unten)

So, wer jetzt nach diesem Exzerpt erfolgreich Herzrasen und Schnappatmung bekämpft hat, kann hier den Artikel im Volltext lesen!

Neben ein paar empörten Stimmen aus dem Hobby habe ich auch 1-2 PNs von Freunden, denen mein Hobby zwar fremd ist - aber davon wissen, bekommen. Tenor, leicht amüsiert “Ach so was macht ihr also!”. Ernst gemeint war das nicht, versicherten Sie mir, man weiss ja, “es ist der Spiegel…”.

Genau, warum aufregen, über einen Artikel, der in trauter Eintracht mit “So bekommen Sie ein iPhone7 für 17 EUR” und “Der neue Rasierer - probieren, rasieren & nix riskieren” Werbeanzeigen steht?
Nochmal, zum Mitklatschen: Es-Ist-Der-SPIEGEL! Nicht AiD oder NatGeo!

Und mit ein bisschen Quellenrecherche und ganz viel Empirie, kann man auch nachvollziehen, dass der Spiegel sicher nicht einen Reporter 1x Australien und zurück spendiert hat, um zwei Einzeiler über einen “Ritter” auf einem RenFair oder SCA Event in Australien zu bringen. Man hat halt im Netz gemacht, was der Reenacticus vulgariie Historicaceaè auch macht: Recherchiert. Halt ein wenig oberflächlich.

Und genau genommen, ist der Artikel nicht schlecht, im Gegenteil, es ist ein recht gutes Abbild der Mittelaltermarktszene, der kommerziellen “Turneys”, Burgen und Sagenfeste. Das einzige was diesen Artikel mit der Darstellung verbindet, ist das Word “Reenacting”, und das wurde halt vom Autor mal aufgegriffen. Eigentlich sollten sich über den Artikel weniger die historischen Darsteller, als die Deutsch & Englischlehrer aufregen :). In der Tat sagt der Artikel das sogar selbst:

“Streng historisch gesehen sind die vom Mittelalter oft nicht nur Jahrhunderte, sondern sogar Welten entfernt. Dafür sind sie lebendige Teile unserer Gegenwartskultur - sie sind Pop, mehr “Game of Thrones” als Geschichtsstunde.”

Also, wozu der Bohei? Haben wir Darsteller wirklich so wenig Selbstbewusstsein, dass uns so ein flauer Artikel kränken muss?

Was mir nicht in den Kopf geht, jahraus-jahrein müht sich die Darsteller Szene ab, sich von der Marktszene zu distanzieren, klar zu stellen dass “die da ein ganz anderes Hobby machen als wir”, dass das eine ganz andere Szene ist, mit der man nix gemein hat. Dann kommt ein Beitrag über die Szene, der auch mal tatsächlich gut geschrieben ist, und es geht los mit “Mimimimi, warum schreiben die nix über uns!”

Ja, vielleicht, aber auch nur vielleicht, weil die Bemühungen, sich zu distanzieren langsam Früchte tragen! Die Geister die ich rief, und so - wer ständig skandiert “da nicht dazu zu gehören” muss sich nicht wundern, wenn “die da” sagen “der gehört nicht zu uns!”

Wo wir wieder bei meinem Artikel “Mittelaltermärkte… wären: Sich drüber beschweren, dass da nur Hollywoodmiddelalda gezeigt wird und sich im gleichen Atemzug von einer Mitarbeit distanzieren ist ein Oxymoron an sich.

Willkommen

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Das Leben der Wikinger, aufgerollt aus der Sicht eines nörgelnden Waldläufers und Pragmatikers!

Wenn ihr mehr über den Autor wissen möchtet, klickt einfach hier für weitere Infos!

Ansonsten wünsche ich viel Spaß auf der Seite!

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